Der Wunsch nach einem eigenen Hund begleitete mich schon sehr lange. Nicht einfach nur der Gedanke, einen Hund zu haben, sondern die Vorstellung eines echten Begleiters.
Eines Freundes, der mit mir durchs Leben geht, mit dem ich Zeit verbringe, draußen bin, lache, der sich an mir orientiert und meine Nähe sucht.
Damals durfte ich an Wochenenden immer mal wieder den Border Collie einer Nachbarin ausleihen. Ich habe mich jedes Mal darauf gefreut, oft schon Tage vorher. Diese Zeit fühlte sich leicht an, fast unbeschwert... wie etwas Selbstverständliches, das einfach funktioniert.
Verantwortung hatte ich in diesen Momenten kaum. Und vielleicht war genau das der Grund, warum alles so einfach erschien.
Als der Traum vom eigenen Hund plötzlich Realität wurde
Und dann war er plötzlich da: Mein erster, eigener Hund. Und mit diesem Moment begann etwas, das ich so nicht erwartet und gesehen hatte.
Plötzlich ging es nicht mehr nur um schöne gemeinsame Zeit, sondern um Erziehung, Vertrauen und echte Verantwortung. Und vor allem darum, dass nichts davon automatisch entsteht.
Ich war damals überzeugt, dass es schon funktionieren würde.
Weil ich ein guter Mensch bin.
Weil ich Hunde liebe.
Weil Nähe doch reichen müsste.
Heute weiß ich:
Liebe allein ersetzt keine Klarheit.
Die Realität hat mich ziemlich schnell eingeholt. Ich bin in Situationen geraten, die mich überfordert haben, in Zweifel, in Unsicherheit und auch in einige sehr lehrreiche Fettnäpfchen.
Vor allem aber stand ich plötzlich vor einer Frage, die ich mir vorher nie gestellt hatte:
Was hat das eigentlich mit mir zu tun?
Rückblickend war genau dieser Punkt ein Anfang. Nicht nur im Umgang mit einem Hund, sondern in der Begegnung mit mir selbst.
Der Hund war nicht das Problem. Aber er war ein Spiegel. Und Spiegel sind selten bequem... dafür ehrlich.
Ich begann zu verstehen, dass Lernen viel tiefer gehen kann als Trainingsmethoden oder Signale.
Dass es auch um innere Haltung geht, um Muster, Erwartungen und die Art, wie wir Beziehung gestalten – zu Menschen genauso wie zu Hunden.
Der Weg zum systemischen Coaching
Jahre später ergab sich für mich die Möglichkeit, eine Ausbildung im systemischen Coaching zu beginnen. Und dort begegnete ich diesen Fragen erneut: klarer, direkter und umfassender.
Ich setzte mich mit Gedanken von Alfred Adler, Viktor Frankl, Gerald Hüther, Rudolf Dreikurs und vielen anderen auseinander. Vor allem aber mit einer grundlegenden Erkenntnis:
Verhalten entsteht nie isoliert.
Es entsteht immer im Zusammenhang. Im System.
In Beziehungen, Erfahrungen, Prägungen und Erwartungen – bei Menschen ebenso wie bei Hunden.
Am Anfang hat mich diese Sichtweise durchaus herausgefordert, um nicht zu sagen: massiv genervt.
Ich dachte, ich kenne die Antworten. Heute sehe ich das anders.
Wir kennen oft nur unsere eigene Wahrheit.
Nicht die der anderen.
Und genau an dieser Stelle beginnt Entwicklung:
Nicht im schnellen Bewerten, sondern im aufmerksamen Beobachten.
Nicht in der perfekten Lösung, sondern im ehrlichen Verstehen.
Was das für Hundetraining bedeutet
Heute lebe und arbeite ich mit zwei Hunden. Und auch wenn viel Erfahrung dazugekommen ist, bin ich nicht „fertig“. Ich lerne weiterhin, jeden Tag. Und ich bin unglaublich dankbar dafür.
Manchmal rutsche ich noch immer ins Bewerten statt ins Beobachten.
Doch vielleicht gehört genau das dazu.
Entwicklung ist kein Zustand.
Sie ist ein Weg.
Systemisches Coaching ist für mich deshalb keine Methode, die man einfach anwendet.
Es ist eine Haltung, die den Blick weitet:
auf uns selbst, auf andere und auf das, was zwischen uns entsteht.
Gerade im Hundetraining wird das besonders sichtbar. Denn hier treffen Erwartungen, Emotionen, Verantwortung und Beziehung unmittelbar aufeinander.
Und viele angehende Hundetrainer erleben genau an dieser Stelle Unsicherheit, Zweifel oder Druck.
Besonders oft passiert dies auf dem Weg zur Prüfung.
Ein ganzheitlicher, systemischer Blick kann hier etwas Entscheidendes verändern:
nicht nur das Training,
sondern das eigene Erleben von Sicherheit.
Warum es diesen Blog gibt
Dieser Blog ist kein Ort für schnelle Tipps oder laute Versprechen.
Davon gibt es bereits genug.
Er soll vielmehr ein Raum sein für Gedanken, die tiefer gehen.
Für Zusammenhänge, die Orientierung geben.
Und für eine Form von Begleitung,
die sowohl fachlich als auch persönlich trägt;
insbesondere für Menschen auf dem Weg zur Hundetrainer-Prüfung.
Vielleicht hast du dich an der einen oder anderen Stelle wiedergefunden.
In einem Gedanken.
In einer Frage.
Oder in diesem leisen Gefühl, dass Entwicklung selten laut beginnt.
Wenn du Lust hast, diesen Weg ein Stück weiterzugehen, dann lass uns ein paar Schritte gemeinsam gehen: Ich schreibe hier über Selbstreflektion, systematisches Denken und innere Sicherheit im Hundetraining.
Mal häufiger. Mal mit Abstand.
Aber immer dann, wenn es etwas zu durchdenken gibt.
Ruhig. Ehrlich. Ohne Druck.
Aber mit Tiefe.
Und vielleicht beginnt genau dort
dein nächster gedanklicher Schritt.
Schön, dass du dabei bist!
Alles Liebe
Mii
Interessiert dich dieser Blick auf Hundetraining?
Vielleicht findest du in diesen weiteren Beiträgen neue Perspektiven für dich, deinen Hund und eure gemeinsame Zeit:
- Wenn dein Hund mehr wahrnimmt als dir lieb ist
- Sternschnuppen und warum Wünsche mehr sind als Hoffnung
