Sternschnuppen und warum Wünsche mehr sind als Hoffnung

Zwischen Wünschen und Warten liegt ein Unterschied, der Wirkung hat.
Zwischen Wünschen und Warten liegt ein Unterschied, der Wirkung hat.

Stirnlampe. Klare Luft. Eiskalt. 

 

Schon beim Verlassen des Hauses sehe ich, wie stark die Autoscheiben gefroren sind. Der Himmel ist offen, sternenklar. Gestern noch schwer, grau und verhangen, heute plötzlich weit. 

 

Wir gehen unsere Runde. 

Ruhig. Wach. Ohne Eile. 

Der Moment, der hängen bleibt

Irgendwann auf dem Spaziergang schaue ich nach rechts. 

Und genau in diesem Moment zieht eine Sternschnuppe über den Himmel. 

 

Ich bleibe kurz stehen. 

Und freue mich mehr, als ich erwartet hätte. Ich schaue auf die Uhr, es ist 05:19 Uhr.  

 

Sternschnuppen sehe ich selten. Ich gehe früh ins Bett. Wenn im Sommer Hochsaison ist, schlafe ich meist schon. Vielleicht ist es genau deshalb dieser eine Augenblick, der sich so besonders anfühlt. 

 

Und dann ist er da, dieser alte Gedanke: 

 

Ich muss mir noch etwas wünschen. 

 

Muss? Na ja, vielleicht darf man das ja noch. 

 

Vielleicht darf man sich etwas wünschen

Ein Wunsch hat heute einen merkwürdigen Ruf. 

Er gilt schnell als naiv oder realitätsfern. Als etwas für Menschen, die sich der Wirklichkeit entziehen wollen. 

 

Dabei ist ein Wunsch oft genau das Gegenteil. 

 

Ein Wunsch ist kein Weglaufen. 

Er ist ein Anfang. 

 

Er zeigt eine Richtung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

 

Die Wunderfrage: leise, aber wirksam

Im systemischen Coaching gibt es die sogenannte Wunderfrage. 

Sie fragt nicht nach Lösungen. Sie fragt nach Bildern. 

 

Angenommen, über Nacht wäre etwas anders, woran würdest du es merken? 

 

Manuel Barthelmess beschreibt die Wunderfrage in seinem Buch Systemische Haltung als ein zentrales Instrument. Sie wird gezielt eingesetzt, um Menschen aus einer Problemtrance herauszuführen; nicht durch Erklärungen oder Bewertungen, sondern durch eine veränderte Perspektive. 

 

Die Frage lenkt den Blick weg vom Defizit und hin zu Ressourcen, Unterschieden und ersten wahrnehmbaren Anzeichen von Veränderung. Dadurch werden innere Bilder konkreter und greifbarer. 

 

So entsteht eine lösungsorientierte Auftragsklärung. Nicht, weil das Problem verschwindet, sondern weil Handlungsspielräume wieder sichtbar werden. 

 

Diese Frage wirkt nicht, weil sie Hoffnung macht. 

Sondern weil sie Verantwortung zurückgibt. 

 

Sie verschiebt den Fokus weg vom Problem und hin zu dem, was entstehen darf. Und genau dort wird es konkret. Nicht sofort. Aber ehrlich. 

 

Was das mit Hund und Mensch zu tun hat

Auch im Zusammenleben mit unseren Hunden stellen wir diese Frage viel zu selten. 

 

Wir fragen: 

Was läuft schief? 

Was funktioniert noch nicht? 

Was muss ich ändern? 

 

Seltener fragen wir: 

 

Wie sähe es aus, wenn es stimmig wäre? 

 

Wo stehe ich gerade? 

Wie wirke ich? 

Was wünsche ich mir wirklich? Jenseits von Trainingsplänen, Methoden und schnellen Lösungen? 

 

Hunde reagieren sehr fein auf unsere innere Ausrichtung. Nicht auf das, was wir uns vornehmen, sondern auf das, was wir wirklich meinen. Ein klarer Wunsch verändert Haltung. Und Haltung verändert Beziehung. 

 

Der nächste kleine Schritt

Vielleicht brauchen wir keine großen Ziele. 

Vielleicht reicht manchmal ein ehrlicher Wunsch. 

 

Nicht, um darauf zu warten. 

Sondern um den nächsten kleinen Schritt zu erkennen. 

 

So wie an diesem Morgen um 5:19 Uhr. 

Kalt. Klar. Und überraschend leicht. 

 

Vielleicht beginnt Entwicklung genau dort. 

Nicht laut. Nicht perfekt. 

Aber echt. 

 

Hab einen schönen Tag!  

Deine Mii  

 

Der nächste kleine Schritt

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