
„Du bist schon echt widerlich konsequent.“
Er sagt das nebenbei.
Wir stehen noch kurz zusammen,
eigentlich ist das Gespräch schon vorbei.
Ich lache.
So, wie man halt lacht,
wenn man nicht genau weiß,
wie etwas gemeint ist.
Und dann später.
Im Auto.
Oder irgendwo dazwischen.
Bleibt der Satz hängen.
Nicht lange.
Aber lange genug.
Konsequent. Bin ich das?
Ja.
Wahrscheinlich schon.
Im Job ist das nichts,
worüber man groß nachdenkt.
Es ist einfach da.
Entscheidungen treffen.
Linien halten.
Nicht jedes Mal neu verhandeln.
Da passt das.
Da will das System genau das.
Und dann nimmt jemand genau dieses Wort
und es klingt plötzlich anders.
Nicht wie Kritik.
Aber auch nicht wie ein Kompliment.
Eher wie etwas dazwischen.
Und ich merke,
dass ich nicht sofort weiß,
in welche Richtung ich das einordnen soll.
Vielleicht,
weil sich nichts an meinem Verhalten verändert hat.
Aber etwas an der Wirkung.
Anderer Kontext.
Keine Rolle.
Keine Funktion.
Einfach Gespräch.
Und plötzlich ist da weniger Klarheit
und mehr…
Reibung.
Nicht groß.
Nicht laut.
Eher so ein leises „hm“.
Ich frage mich,
ob ich das im Moment selbst merken würde.
Oder ob es erst danach sichtbar wird.
Ich sehe das im Training auch.
Diese Momente,
in denen man anfängt,
etwas durchzuziehen.
Nicht aus Druck.
Sondern weil es sich richtig anfühlt.
Weil es logisch ist.
Konsequent eben.
Und manchmal passt genau das.
Es wird ruhiger.
Klarer.
Sortierter.
Und manchmal nicht.
Dann wird es nicht klarer.
Sondern enger.
Ohne dass sich viel verändert hat.
Von außen.
Es ist kein Bruch.
Kein klarer Fehler.
Eher so ein Kippen.
Ein Moment,
in dem etwas,
das eben noch getragen hat,
plötzlich nicht mehr ganz passt.
Und ich frage mich,
ob genau das der schwierigste Teil ist.
Dass sich Konsequenz im Moment richtig anfühlen kann
– und trotzdem nicht mehr stimmig ist.
Dass es keinen klaren Punkt gibt,
an dem man sagen kann:
Jetzt war’s richtig.
Und jetzt nicht mehr.
Vielleicht geht es gar nicht darum,
konsequent zu sein oder nicht.
Sondern darum,
zu merken,
wann sich etwas verschiebt.
Und ob man bereit ist,
das wahrzunehmen.
Auch wenn es nicht sofort eindeutig ist.
Der Satz von ihm
war wahrscheinlich gar nicht so groß gemeint.
Aber genau solche Sätze
bleiben manchmal hängen.
Weil sie etwas sichtbar machen,
das man selbst
noch nicht ganz zu Ende gedacht hat.

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