
Ich sehe sie nur kurz.
Zwei Samojeden.
Einer an der Leine, einer nicht.
Als ich mit dem Auto vorbeifahre, greift sie nach dem Hund und hält ihn am Halsband fest.
Mehr nicht.
Ein kurzer Moment.
Später stehe ich auf dem Feldweg mit meinen zwei Hunden.
Beide frei.
Beide bei mir.
Der Moment, der sich noch ruhig anfühlt
Ich höre sie, bevor ich sie sehe.
Ein helles Rufen.
Unruhig.
Dann drehe ich mich um.
Und erst jetzt sehe ich sie.
Weit oben am Waldrand.
300, vielleicht 400 Meter entfernt.
Die Frau von eben. Mit dem zweiten Hund an der Leine.
Der oben schon in der Leine hängt.
Bellt.
Zieht.
Zwischen uns:
offenes Feld.
Und ihr zweiter Hund von eben, ohne Leine,
ist längst unterwegs.
Auf direktem Weg. Zu uns.
Es gibt in diesem Moment
keine echte Einwirkung mehr von außen.
Kein Zurückrufen, das ankommt.
Kein Zugriff, der greift.
Die Situation ist längst bei mir.
Und es gibt niemanden mehr, der sie mir abnimmt.
Solange ich noch in Bewegung bin
Ich gehe weiter.
Ich drehe mich nicht um.
Nicht, weil ich es nicht sehe.
Sondern weil ich mich entscheide,
es nicht größer zu machen, als es ist.
Ich schicke meine Hunde ein Stück nach vorne.
Nicht weit.
Nur so, dass sie im Fluss bleiben.
Für einen Moment fühlt sich das klar an.
Ich halte die Richtung.
Ich halte die Bewegung.
Der Samojede stoppt kurz.
Bleibt auf Abstand.
Ich nehme die Situation mit.
Ich gehe nicht in sie hinein.
Und solange ich das kann,
bleibt das System stabil.
Der Moment, in dem sich etwas verschiebt
Als ich mich wieder umdrehe,
ist er nah.
Zu nah. Vielleicht ein-zwei Meter hinter mir.
Und noch bevor ich etwas tue,
passiert in mir etwas.
Ein kurzer Impuls.
So nicht.
Kein klarer Gedanke.
Eher ein innerer Anspruch.
Dass diese Situation
jetzt aufhören muss.
Und genau hier verschiebt sich etwas.
Leise.
Aber entscheidend.
Kontrolle im Hundetraining beginnt genau dort
Ich drehe mich um.
Gehe nach vorne. Gehe auf den fremden Hund zu.
Werde laut. Blocke.
Nach außen wirkt das wie Führung im Hundetraining.
Klar.
Entschlossen.
Nach innen ist es etwas anderes.
Kontrolle will, dass es aufhört.
Der Hund soll weg.
Die Situation soll sich lösen.
Die Spannung soll verschwinden.
Und genau damit verlagert sich mein Fokus.
Weg von mir.
Hin zum Problem.
Führung im Hundetraining hält aus, dass es da ist
Führung hätte anders ausgesehen.
Weniger sichtbar.
Weniger aktiv.
Ich hätte stehen bleiben können.
Meine Hunde bei mir halten.
Den Raum ruhig schließen.
Oder weitergehen können.
Ruhig.
Klar.
Ohne diese eine Bewegung nach vorne.
Denn Führung im Hundetraining bedeutet nicht,
dass nichts passiert.
Sondern,
dass es dich nicht verändert.
Warum Situationen im Hundetraining kippen
Der Moment, in dem ich nach vorne gehe,
ist nicht der Anfang der Eskalation.
Er ist das Ergebnis.
Die Eskalation beginnt früher.
In dem Moment,
in dem ich nicht mehr bereit bin,
die Situation auszuhalten.
In dem ich beginne,
sie beenden zu wollen.
Und genau dort
verliere ich die Führung.
Nicht, weil ich zu wenig tue.
Sondern weil ich
aus dem Halten ins Reagieren rutsche.
Warum dein Hund schneller reagiert als du
Für mich ist es eine Entscheidung.
Für meine Hunde ist es längst klar.
Die Bewegung nach vorne
ist nur das, was sichtbar wird.
Was sie lesen,
ist die Veränderung davor.
Die Spannung.
Die Verengung.
Und genau darauf reagieren sie.
Einer meiner Hunde geht rein.
Nicht, weil er muss.
Sondern weil ich
den Raum nicht mehr halte.
Was bleibt
Solche Situationen im Hundetraining lassen sich nicht vermeiden.
Nicht im Alltag.
Nicht im Training.
Und auch nicht in der Hundetrainer Ausbildung.
Aber sie zeigen sehr klar,
wo Führung im Hundetraining beginnt.
Nicht im perfekten Timing.
Nicht in der richtigen Technik.
Sondern in genau diesem Moment:
Wenn etwas da ist
–
und du entscheidest,
ob es aufhören muss
oder ob du es halten kannst.

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