
Letzte Woche ist mein Handy einfach ausgegangen. Von jetzt auf gleich.
Kein Backup.
Kein „Wird schon wieder“.
Einfach schwarz. Tot.
Und wenn ich ehrlich bin, war das keine Überraschung. Es gab Zeichen. Schon Monate vorher. Das Display reagierte langsamer, es hing sich auf, stürzte ab. Ich habe es registriert und weggelächelt.
„Ach, passt schon.“
Bis es nicht mehr passte.
Und während ich so dastand mit einem toten Handy in der Hand, wurde mir klar: So gehen wir erstaunlich oft mit Warnsignalen um. Nicht nur mit Technik. Mit uns selbst.
Die kleinen Zeichen, die wir nicht sehen wolle
Es beginnt selten dramatisch.
Ein Frosch im Hals in einem Gespräch.
Ein kurzes Zucken im Augenlid.
Ein inneres Zusammenziehen, wenn jemand etwas sagt.
Oder im Alltag mit dem Hund:
Eine Millisekunde Anspannung.
Die Rute wird höher getragen.
Der Blick fixiert etwas länger als sonst.
Minisignale.
Aber genau dort beginnt alles.
Das Problem ist nicht, dass wir sie nicht wahrnehmen könnten. Das Problem ist, dass wir oft nicht hinschauen wollen.
Neulich hörte ich einen Podcast mit Giulia Enders (Hotel Matze).
Ein Gedanke daraus ist mir geblieben:
"Wenn es uns schlecht geht, greifen wir zum Handy.
Scrollen. Ablenken. Weiter.
Mit einem Freund würden wir das nicht tun.
Wir würden zuhören.
Aber uns selbst schicken wir weg."
Aus der Balance geraten heißt nicht scheitern
Ich habe gemerkt, dass ich gerade selbst ein Stück aus der Balance geraten bin.
Und Balance heißt nicht, dass immer alles gut ist.
Nicht, dass wir ständig ruhig, sortiert und klar sein müssen.
Balance bedeutet auch, dass es Ausschläge geben darf.
Aber nicht dauerhaft nur in eine Richtung.
Nicht zu viel Druck.
Nicht zu viel Ignorieren.
Nicht zu viel „Augen zu und durch“.
Zwischen diesen Polen liegt etwas Entscheidendes: Bewusstheit.
Beobachten, bevor wir reagieren
Im systemischen Arbeiten, und genauso im Hundetraining, beginnt Entwicklung nicht mit Handlung.
Sie beginnt mit Beobachtung.
Wenn ich vom Spaziergang zurückkomme, einen Hund abtrockne und der andere draußen wartet, sehe ich manchmal innerhalb von Sekundenbruchteilen, wie sich etwas verändert.
Ein Muskeltonus.
Eine minimale Versteifung.
Ein anderer Blick.
Das sind keine Dramen.
Aber es sind Hinweise.
Und um sie zu erkennen, darf ich nicht innerlich schon beim nächsten To-do sein.
Führung entsteht nicht im Reagieren.
Sie entsteht im Wahrnehmen.
Drei stille Übungen für mehr Selbstwahrnehmung im Alltag
Es geht nicht um Methoden.
Und nicht um schnelle Lösungen.
Eher um kleine Verschiebungen.
- Geh langsamer zwischen zwei Aufgaben.
Nicht direkt vom einen ins nächste springen. Einen bewussten Übergang zulassen.
- Setz dich hin. Einfach setzen. Ohne Handy.
Tee. Kaffee. Stuhl. Fünf Minuten.
Was ist in der letzten Stunde passiert?
Gab es Momente, die du übergangen hast?
- Trainiere deinen Blick für Muster.
Nicht nur beim Hund.
Auch bei dir.
Wiederholen sich Situationen?
Reagierst du immer an derselben Stelle schneller, härter, ungeduldiger?
Das ist keine Schwäche.
Das ist Information.
Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, perfekt ausbalanciert zu sein.
Vielleicht geht es darum, früh zu merken, wenn wir es nicht mehr sind.
Nicht erst, wenn alles ausfällt.
Sondern wenn es beginnt, leise zu stocken.
Welche Frühwarnsignale konntest du in letzter Zeit bei dir beobachten?
Und wo hast du vielleicht etwas weggelächelt?
Vielleicht beginnt Veränderung nicht im großen Vorsatz.
Sondern in diesem einen ehrlichen Moment des Hinschauens.
Ich wünsch dir viel Freude beim Wahrnehmen,
Deine Mii

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